Demokratischer Widerstand in Kassel

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Runa
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Registriert: Mi 15. Apr 2020, 13:34

Re: Demokratischer Widerstand in Kassel

Beitrag von Runa »

Corona-Regime, Sonntag, 9. August 2020: In Berlin sehe ich nur noch fertige Leute. Alte Menschen in Rollstühlen hinter Masken mit hochroten Gesichtern. Der Stoff zieht sich in die Mundhöhle, der Speichel rinnt.

Ich sehe fast nur noch traurige oder weinende Kinder. Ich sehe Männer in Schweden-T-Shirts, die auf S-Bahnsteigen nicht aufhören zu rufen, »Lüge! Lüge!« und »Masken ab!«. Immer wieder, wenn ein Zug angehalten hat, ertönt seine Stimme, schon ganz rauh. Manche Passanten nicken ihm zu, die meisten gehen gesenkten Hauptes weiter, die Scham tief in ihre Augen, ihre ganze Gestalt eingeschrieben. Gebrochene, Gedemütigte.

Mittlerweile muss festgehalten werden, dass wir nicht in etwas sind, dass ein paar faschistoide Züge trägt. Es ist der Faschismus selbst. Es ist der pure menschenverachtende Horror, es ist ein Terrorregime, das sich einzig und allein gegen die Menschen richtet, gegen die 99 Prozent, die unter ihm zu leiden haben.

Ich treffe jammernde Frauen mit ihren schlafenden Kindern vor dem Roten Rathaus in Berlin. Ihren Wangen und ihren Augen sehe ich an, dass sie in diesen Corona-Monaten viel weinen. Eine Gruppe Sinti und Roma sitzt fast regungslos auf Parkbänken, ein Junge der Familie, etwa 12 Jahre, nimmt wie irre immer wieder die Maske ab und legt sie wieder im Fünfsekundentakt wieder an.

Ich sehe nur noch Trauer, Armut und Verlendung. Nachts in unserer Siedlung, einem Ensemble von Dreigeschoss-Mietwohnungsbauten im Bezirk Pankow, das für Verhältnisse der Berliner Innenstadt immer sehr ruhig war, höre ich Menschen in verschiedenen Sprachen schreien, weniger aggressiv, eher leidend. Dann unsere Nachbarin: »Ich halte das nicht mehr aus«, »aaaahh!« und »Tötet Angela Merkel!«. Wir haben sie dann auf unseren Balkon eingeladen und beruhigt.

Und wieviel stumme Schreie vernehmen wir nicht? Von Menschen, die in Todesangst vor Viren und Bakterien jetzt Waschzwänge haben, Ängste vor anderen menschlichen Körpern und Berührung, vor ihrem eigenen Körper und vor Händen, vor Küssen, vor Oberflächen — oder sich gleich überhaupt gar nicht mehr hinaustrauen. Die schlimmsten Früchte, die diese Perversion getrieben hat und noch treiben wird, werden erst über die kommenden Monate, Jahre und Jahrzehnte ans Licht kommen. Die Verbrechen des Corona-Regimes sind jetzt schon ohne Zahl.

Heute morgen dann auf dem Weg zum Bäcker: Ein Mann liegt in der Straße, wispert immer wieder »Diktatur, Diktatur«. Er will sich nicht mehr bewegen. Er liegt einfach da, wie ein nasser Sack in der Sonne. »Diktatur, Diktatur.« Er ist zu schwer, als dass ich ihn von der Straße ziehen könnte. Die Autos fahren lamgsam drumherum. Dann kommt Hilfe, wir setzen ihn auf einen Sitz vor dem Supermarkt und bringen ihm das verlangte Bier. »Diktatur, Diktatur.«

Die Leute können nicht mehr. Es ist Fürchterlichstes, Schrecklichstes angerichtet worden in epischen Dimensionen. Möglicherweise auf lange Sicht noch viel Schlimmeres, als in begrenzten Kriegen geschieht.

So, wie sich mir meine Mitmenschen in Berlin dieser Tage präsentieren, habe ich den Eindruck, dass die Leute völlig zerrüttet sind. Sie können nicht mehr, sie haben ihre Würde verloren und schreien, schweigen oder weinen nur noch.

Ich persönlich muss Ihnen auch sagen aus meiner ganz eigenen Einschätzung für mich persönlich heraus: Es reicht jetzt.

Es. Reicht. Jetzt.

Friedlich und demokratisch grüßt Sie heute,
Anselm Lenz
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